top of page

Berzona
VALLE ONSERNONE

Technische Beschreibung der Orgel

Die Orgel ist eine oktavierende 3-Fuss-Orgel mit mechanischer Traktur. Vielleicht wäre es korrekter, sie als "transponierende" oktavierende Orgel zu bezeichnen, da sie eine ganze Quarte nach oben transponiert, d.h. wenn man die Taste C drückt, ist der von den Pfeifen erzeugte Ton ein F.

Als oktavierende Orgel definiert man eine Orgel, die eine Oktave höher klingt als die normale Tonlage, somit haben die oktavierenden Orgeln als tiefstes Register ein solches in der 4-Fuss-Tonlage und die tiefste Pfeife produziert den Ton C. Bei der Bianchini-Orgel erzeugt die tiefste Pfeife den Ton F (auf der Taste C), und das tiefste Register wird mit dem Pedal bedient, die längste Pfeife dieses Registers ist 6 Fuss lang, während die längste Pfeife, die auf der Tastatur gespielt werden kann, 3 Fuss lang ist.

Die Orgel befindet sich auf einer hölzernen Empore über dem Haupteingang zur Kirche, in einem Holzgehäuse, das an die Innenwand der Fassade des Gebäudes gelehnt ist. Das vollständig aus Fichtenholz gefertigte Gehäuse ist von einfacher Ausführung.

Der Prospekt besteht aus 37 Orgelpfeifen aus Blech, die bogenförmig in einem einzigen Feld angeordnet sind. Die Prospektpfeifen sind mit Silberfarbe bemalt.

 

Tastatur mit 37 Tasten (cº-c’’’), als “Spielschrank” eingebaut. Unter-Tasten mit Ebenholz belegt und Ober- Tasten aus ebonisiertem Holz mit Knochenbelag. Es handelt sich um eine Klaviatur mit einarmigen Tasten aus Fichtenholz, die ursprünglich vermutlich für ein Hammerklavier bestimmt war und für die Orgel zweckgemäss modifiziert wurde. 

Schräggestelltes Pedal mit 12 Tönen (C-H), fix an das Manual gekoppelt.

 

Die Register werden durch horizontal verschieb- und einrastbare Registerhebel ein- und ausgeschaltet, die in zwei vertikalen Reihen rechts vom Manual angeordnet sind. Die ursprünglichen handschriftlichen Beschriftungen sind z.T. mit Bleistiftkorrekturen versehen (kursiv dargestellt):

 

Linke Reihe

Cartellino (con eventuali integrazioni) –> Note

Flauto Traversale –> 3’, Holz, offen

Flauto Ottava [Solo] –> 1’ ½, Weissblech

Flauto Dolce –> 3’, idem, im Prospekt

[Vakanter Registerhebel ohne Beschriftung]

Corno Inglese –> 1’ ½, Zunge, von cº-f#’

Violoncello –> 3’, im Pedal, Zunge

 

Rechte Reihe 

Cartellino (con eventuali integrazioni) –> Note

Ottavino nel Ripieno –> ¾’

Ottavino acuto nel Ripieno –> 3/8’

Principale Traversale –> in Wirklichkeit Trompete 3’

[Contrabbasso] –> 6’, im Pedal

Voce Umana –> ab g’

Contrabasso trombone –> 6’, Zunge, im Pedal

Hauptwindlade: «a vento e borsini» (= Springladen, eine Windladenkonstruktion, typisch für die italienische Orgel des 19. Jahrhunderts) mit sich nach vorne öffnenden Ventilen, hauptsächlich aus Buche (Windladenrahmen, Springerleisten und Deckel des Windkastens) und Fichtenholz gefertigt. Ventilfedern aus Messing. 

 

Die Pfeifenraster, aus Holz, sind getrennt für jedes Register. 

 

Die Wellen sind aus Metall, mit eisernen Krampen in Krallenform auf Fichtenholzbretter montiert. Die Traktur zwischen Hauptwindlade und Tasten besteht aus einer Serie von Stechern, die, am Ende der Tasten eingesteckt, die Abstrakten heben. Eine Serie von Winkelhebeln, platziert unterhalb des Windkastens der Hauptwindlade, kehrt die Bewegungsrichtung um. Die Registerzüge der Windlade werden mittels Wellen aus Holz mit Wellenarmen aus Metall gesteuert. 

 

Zusätzlich zur Hauptwindlade wurden zwei Nebenwindladen eingebaut, eine im hintersten Teil des Instruments (Contrabasso und Trombone) und eine auf der linken Seite (Violoncello). Die erste ist besonders bemerkenswert, da es sich um eine Registerkanzellenlade handelt, während die zweite als Kastenlade mit einem Registerventil gebaut ist.

 

Die Windanlage besteht aus drei keilförmigen Schöpfbälgen, die mit einer Kurbel betätigt werden, sie befinden sich auf der linken Seite der Orgel ausserhalb des Gehäuses, sowie aus einem Parallelbalg (auch Magazinbalg genannt) mit vier Falten, der als Luftreservoir dient und sich im Inneren der Orgel befindet. Die Bälge sind aus Leder, deren Falten aus Karton. Die auf dem Magazinbalg angebrachten Gewichte wurden bei der Demontage entdeckt und sind vermutlich Originale. 
Bei der Restaurierung wurde ein elektrisches Gebläse mit Rollventil eingebaut, was die manuelle Bedienung jedoch nicht ausschliesst.


Labialpfeifen aus Metall

Die Register Flauto dolce (das den Prospekt der Orgel bildet), Flauto in Ottava, Ottavino nel Ripieno, Ottavino acuto nel Ripieno und Voce Umana bestehen ausschliesslich aus Metallpfeifen. Diese Labialpfeifen wurden mit rezykliertem Blech angefertigt; Bianchini hat zu diesem Zweck Blech u.a. von Speiseölkanistern verarbeitet – z.T. sind noch Reste von Etiketten sichtbar.

Zungenpfeifen

Trotz der bescheidenen Grösse der Orgel ist das Instrument mit mehreren sehr charakteristischen Zungenregistern ausgestattet.

 

Labialpfeifen aus Holz

Die Holzpfeifen sind in traditioneller Weise konstruiert und weisen keine besonderen Merkmale auf, mit Ausnahme der kleineren. Sie bestehen aus zwei Holzteilen: einem ausgekehlten dickeren Holzstück, das den Pfeifenkörper bildet, und einem dünneren auf der Vorderseite aufgesetzten Brettchen, aus welchem das Oberlabium ausgeschnitten ist. Die meisten Pfeifen sind mit Stimmvorrichtungen ausgestattet. Dabei handelt es sich um Holzbrettchen, die von Krampen aus Draht in Position gehalten werden oder um kleine Holzplättchen, die in der oberen Öffnung der Pfeife beweglich angebracht sind und die Öffnung mehr oder weniger verschliessen, was zu einer Verkürzung/Verlängerung des Klangkörpers führt.

 

Vlg. Colzani Ilic

Associazione Amici di Berzona

c/o Charles Suter

Casa Schira

6661 Berzona

Kontaktformular

@2025 Associazione Amici di Berzona

bottom of page